Montag, 25. Juni 2018

Zysten und Knoten an der Schilddrüse

Mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass ich die vom Hausarzt verschriebenen Hormone zunächst nicht nehmen sollte. Eine Stimme in mir hat sich dagegen entschieden. Ich wollte nicht aufgrund eines erhöht gemessenen TSH-Werts direkt Hormone nehmen. Und da ein paar Tage nach dem Besuch beim Hausarzt meine onkologische Nachsorge in der Uniklinik bevor stand, wollte ich wenigstens diesen Termin abwarten.

In der Uniklinik wurde ich dann ins Schilddrüsenzentrum überwiesen. Dort wurde erneut ein umfangreiches Blutbild gemacht, ein Ultraschall der Schilddrüse sowie eine Szintigrafie. Schon beim Ultraschall hat der Arzt gesehen, dass ich nicht nur zwei Zysten an der Schilddrüse habe, sondern auch noch einen Knoten. Bei dieser Aussage gingen bei mir alle Alarmglocken los und ich malte mir bereits in Kopf eine weitere Krebsdiagnose aus. Erschreckend wie schnell die Gedanken vorauslaufen und einen in Angst und Schrecken versetzen. Der Arzt sagte mir dann aber, dass es nicht nach etwas Bösartigem aussieht und ich mir keine Sorgen machen soll. Auch die Szintigrafie hat keine Störungen gezeigt, sodass ich mit einem Rezept für Jodtabletten entlassen worden bin.

Wenn man es neutral betrachtet, so muss man sagen, dass jeder dritte Mensch Zysten und Knoten an der Schilddrüse hat, die keinerlei Beschwerden verursachen. Diesen Gedanken muss ich mir immer wieder vor Augen führen. Denn, wenn ich ehrlich bin, hatte ich wirklich richtige Angst. Angst vor einem Rezidiv. Angst vor einem Zweittumor. Angst erneut krank zu sein. Angst meinen Lieben zur Last zu fallen. Angst zu sterben. Es war ein schreckliches Gefühl wieder mit all dem konfrontiert zu werden. Und das, obwohl es eigentlich keinen Grund gibt.

Aber leider ist es so, dass wir (ehemaligen) Krebspatienten ganz schnell wieder mit alten oder noch vorhandenen Ängsten konfrontiert werden. Bestimmte Trigger, die uns wieder an unsere zurückliegende Erkrankung erinnern. Und dann ist es ganz wichtig, dass wir lernen diese Angst zu akzeptieren. Dass wir lernen diese Angst anzunehmen und sie wieder loszulassen. Und darin über auch ich mich. Tag für Tag.

Montag, 7. Mai 2018

Habe ich wirklich eine Schilddrüsenunterfunktion?


Knapp ein halbes Jahr habe ich mich nicht mehr zu Wort gemeldet, aber ehrlich gesagt, ist das für mich ein gutes Zeichen. Die letzten Monate wurde ich ruhiger. Meine Gedanken haben sich beruhigt. Meine Ängste und Sorgen haben sich beruhigt. Wenn zwischendurch doch mal ein beängstigender Gedanken zu mir durchgedrungen ist, dann habe ich es von Mal zu Mal besser geschafft, diesen Gedanken erst zu akzeptieren und ihn dann wieder los zu lassen. Ich habe ihn nicht, wie die Monate zuvor, festgehalten und mich da herein gesteigert. Ich habe ihn akzeptiert und los gelassen. Und damit geht es mir auch sehr gut.

Nach meiner letzten "Panikattacke" im letzten Jahr hat mein Hausarzt mir dann angeboten, dass ich neben der halbjährlichen Nachsorge in der Uniklinik, jedes Quartal zu ihm kommen und ein Blutbild machen lassen darf. Letzte Woche war es dann wieder an der Zeit und eigentlich hatte ich sogar vor, den Termin ausfallen zu lassen, da ich mich gut gefühlt habe. Gesund und ohne Sorge. Das Blutbild hat dann auch bestätigt, dass meine Werte alle in bester Ordnung sind und darüber freue ich mich, wie immer, riesig!! Trotz der inneren Zuversicht ist ein medizinischer Beweis sehr beruhigend.

Auffällig hingegen waren meine Schilddrüsenwerte. Diese befinden sich im oberen Grenzbereich und deuten eine Schilddrüsenunterfunktion an. Typische Symptome wie Müdigkeit oder Gewichtszunahme konnte ich nicht direkt und eindeutig bestätigen. Dennoch sind die Werte aktuell nicht wegzureden. Mein Hausarzt hat mir aufgrund dessen jetzt eine leichte Dosierung Schilddrüsenhormone verpasst.

Wie ich mich damit fühle? Ehrlich gesagt besch...! Ich möchte nicht täglich Tabletten nehmen müssen! Ich möchte meinem Körper keine Hormone von außen zuführen! Ich möchte nicht krank sein! Ich möchte keine Nebenwirkungen der Krebstherapie haben. Aber letzteres ist sehr wahrscheinlich. Da bei mir das Mediastinum großflächig bestrahlt worden ist, war eine der möglichen Nebenwirkungen eine Störung der Schilddrüse. Aber beweisen kann man nicht, dass es von der Therapie kommt. Und ehrlich gesagt ist die Ursache ja auch egal. Dennoch macht mir der Gedanke Angst, dass ich jetzt, zwei Jahre nach der Therapie, die ersten Nebenwirkungen zu spüren bekomme. Vielleicht die erste von vielen. Das kann niemand sagen. Und das ist vermutlich auch gut so.

Jetzt ist es an der Zeit auch diesen Gedanken zu akzeptieren und dann los zu lassen. Ich werde das Medikament jetzt versuchsweise vier Wochen lang nehmen und dann machen wir eine weitere Messung und sehen weiter. Ich habe noch die Hoffnung, dass der Wert sich wieder normalisiert und wir die Idee eine Schilddrüsenunterfunktion wieder vergessen können...

Ich freue mich über eure Nachrichten. Vielleicht kennt sich jemand von euch mit der Problematik aus...!?

Ganz liebe Grüße und einen wundervollen Abend.





Samstag, 9. Dezember 2017

Nachsorge: CHECK


Zuerst einmal die gute Nachricht: es ist nach wie vor alles in bester Ordnung. Ich bin soo happy!!!

In den letzten Monaten war es immer wieder ein auf und ab und ich hatte wirklich miese Phasen dazwischen, in denen ich mich einfach nur verrückt gemacht habe. Mein Kopf begann wieder Horrorszenarien zu produzieren und mein Körper reagiert augenblicklich. Er reagiert indem er meinen Magen schmerzen lässt. Mir wird es eng um die Brust und ich muss ständig husten. Mein Herz rast. Mein Tumorbereich zieht und schmerzt. Mein Körper spielt wirklich verrückt und das zieht mich ruck zuck in einen Teufelskreis, aus dem ich einfach nicht mehr rauskomme. Es ist zum verrückt werden. Ich bekomme sogar Angst vor der Angst und das ist fast noch beängstigender. Dabei WEISS ich ja, was vor sich geht. Ich weiß, dass mein Körper nur auf meine Gedanken reagiert. Ich weiß, dass eigentlich alles in Ordnung ist. Aber dieses Wissen kommt leider nicht gegen meine Angst an.

Aber glücklicherweise habe ich die Nachsorge jetzt wieder hinter mir und weiß, dass alles in Ordnung ist. Meine Blutwerte sind spitze und das CT ist unverändert. Wir waren soooo erleichtert!!!

Sonntag, 10. September 2017

Keine Lust glücklich zu sein?


Die letzten Wochen waren eher grau und trist. Ich fühle mich gefangen. Gefangen in meinen negativen Gedanken. Gefangen in meinem Körper. Gefangen in meinem Leben. Das klingt so schrecklich negativ und wenn ich es so lese, dann würde ich sagen, dass es ja garnicht so schlimm ist. Ist es auch nicht. Aber in letzter Zeit fällt mir das Lächeln oft schwer. Ich hänge meinen Gedanken nach. Meinen Sorgen und Ängsten. Wenn es mir gerade mal wieder gut geht. folgt sogleich das nächste Tief und ich fühle mich gefangen in diesem Teufelskreis.

Habe ich momentan vielleicht einfach keine Lust glücklich zu sein? Wenn ich ehrlich bin, dann könnte ich es doch ändern. Von jetzt auf gleich. Ich könnte jetzt sofort mit dem Lächeln beginnen. Aber ich tue es einfach nicht. Stattdessen sage ich, dass alles doof ist und mir die Motivation fehlt. Die Freude. Aber wie komme ich es diesem Loch wieder raus? Aus diesem fiesen Kreislauf? Ich habe noch keine Idee, aber ich habe auch keine Lust, noch länger hier gefangen zu sein. Das geht gefühlt schon einige Wochen so und es macht mich kaputt. Es frisst mich auf.

Ich habe den Krebs besiegt! Da werde ich doch wohl noch meine fiesen Gedanken besiegen können!? 

Samstag, 12. August 2017

Meine erste Panikattacke


Mein erster Wanderurlaub und es war so schön. Wir waren zwar nur ein paar Tage unterwegs, aber ich habe die wunderbare Natur so sehr genossen. Vor ein paar Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich daran mal Gefallen finden könnte. Und vor ein oder zwei Jahren erst Recht nicht, denn da befand ich mich noch in der Therapie.

So sehr ich das Wandern auch genossen habe, gab es trotzdem ein Erlebnis, das für mich neu war: eine Panikattacke. Wir waren schon eine Weile unterwegs und kamen dann an eine Brücke über einer tiefen Schlucht. Wir mussten eine Weile anstehen und je näher wir kamen, desto eher merkte ich, dass ich nicht so richtig will. Trotzdem bin ich auf die Brücke, musste mich aber direkt am Geländer festhalten. Überall Menschen und unter mir die Schlucht. Ich habe ein paar Blicke gewagt, schließlich waren wir deswegen ja auch dort. Aber dann musste ich ganz schnell da weg. Als ich von der Brücke runter war, bin ich ein paar Meter gelaufen und habe mich dann in den Wald geflüchtet, weg von den Leuten. Mir liefen plötzlich die Tränen, ich fing an zu schluchzen und zu zittern. Ich habe mich da richtig reingesteigert und ich kann im Nachhinein garnicht sagen, was genau der Auslöser war. Die Höhe? Die Menschen? Die Weite? Ich weiß es nicht. Und was hat mich danach so bitterlich weinen lassen? Die Scham? Der Schock, wie ich reagiert habe? Die Angst? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass das für mich neu war. Mir haben solche Situationen nie etwas ausgemacht. Aber etwas ähnliches habe ich letztes Jahr auf der Achterbahn erlebt. Es ist erschreckend plötzlich solche Reaktionen bei sich festzustellen. Ich weiß auch nicht, ob es einmalig war oder, ob es beim nächsten Mal auch passieren wird. Auch weiß ich nicht, ob es tatsächlich durch die Krebserkrankung kommt oder, ob es mir auch zuvor schon hätte passieren können. Eigentlich ist die Antwort auf die Frage auch egal. Ich muss akzeptieren, dass es passiert ist.

Die Behauptung "Krebs verändert das Leben für immer" scheint wohl zu stimmen... aber wir können lernen mit den Folgen zu leben. Auch, wenn das nicht immer einfach ist.

Montag, 17. Juli 2017

Wann verschwindet die Angst?


Eben noch ging es mir gut, ich habe mich frei gefühlt. Frei von Sorge. Doch dann rückt ganz plötzlich wieder eine dicke schwarze Wolke näher. Immer näher. Über mir bleibt sie stehen. Sie nimmt mir das Licht, die Zuversicht. Ich sitze unter der Wolke und alles um mich herum wird dunkler und dunkler. Ich habe Schwierigkeiten hinter der Wolke noch ein paar Sonnenstrahlen zu erblicken und noch mehr Schwierigkeiten habe ich damit, die Wolke los zu lassen. 

Meine Angst ist wie diese dunkle Wolke. Ganz plötzlich taucht sie auf, bleibt für unbestimmte Zeit und dann verschwindet sie wieder. Aber wann verschwindet sie für immer? Vermutlich nie! Ich weiß, dass die Angst um meine Gesundheit, um mein Leben mich immer begleiten wird. Seit meiner Erkrankung noch viel intensiver als vorher. Aber ich möchte das nicht. Ich möchte nicht, dass die Angst mich immer wieder aus der Bahn wirft!!

Die letzten Wochen ging es mir wirklich gut. Körperlich und psychisch. Ich habe mich richtig wohl gefühlt und sogar noch mit meiner Psychoonkologin darüber gesprochen, dass ich momentan frei von Sorge vor einem Rezidiv bin. Aber kaum hatte ich es ausgesprochen, plagten mich am darauffolgenden Tag Kopfschmerzen, Druck auf dem Auge und vor allem permanente Müdigkeit. Eine knappe Woche hielt es an und vor allem die Müdigkeit beunruhigte mich. Auch überkam mich immer wieder eine kurze Hitzewelle. Die Müdigkeit, die Hitzewallung und die Antriebslosigkeit erinnerten mich zu sehr an die Zeit während der Chemotherapie. Die Erinnerungen kamen wieder hoch und somit die Angst. Zumal Müdigkeit ja auch ein Anzeichen einer Krebserkrankung ist... aber was istt laut Dr. Google kein Zeichen für eine Krebserkrankung!? Nichts.... richtig. Alles deutet laut Dr. Google auf eine Krebserkrankung hin. So ein Blödsinn!! Und dennoch war bzw. bin ich beunruhigt.

Meine Müdigkeit ist nach ein paar ausgiebigen Schlafeinheiten am Wochenende etwas weniger geworden und auch die Kopfschmerzen sind weg. Dennoch überkommt mich immer wieder ein ungutes Gefühl. Heute Mittag hatte ich keinen Appetit und habe meinen Teller nicht leer gegessen. Sehr, sehr untypisch für mich... trotzdem sollte das keine Angst in mir hervor rufen. Tat es aber. Appetitlosigkeit? Gewichtsverlust? Wieder ein Anzeichen für eine Krebserkrankung. Das macht mich wahnsinnig!! Wie komme ich aus dieser negativen Gedankenspirale wieder heraus? Ich habe leider noch keine Antwort darauf. Ich hoffe nur, dass ich sehr bald eine finde, denn die Angst und die Sorge tun mir nicht gut. 

Wenn jemand Erfahrung damit und vielleicht ein paar gute Tipps hat, würde mich mich sehr über einen Kommentar oder eine Nachricht freuen. Danke schön.

Montag, 26. Juni 2017

Das Schicksal ist ein mieser Verräter


Bei dem Titel handelt es sich nicht nur um ein wunderbares, wenn auch fürchterlich trauriges Buch, sondern auch um das wahre Leben. Schon wieder ist ein so wunderbarer Mensch von uns gegangen. Ein junges Mädchen, das ich letztes Jahr in der Reha kennen gelernt habe. Ein Mädchen mit so viel Mut und Kraft und Lebensfreude. Und doch hat sie den Kampf gegen den Krebs verloren. Das Schicksal ist wirklich ein mieser Verräter!!

Es ist schrecklich zu sehen, dass gerade mal ein Jahr nach meiner Reha, schon die Fünfte gestorben ist, die ich dort kennengelernt habe. Der fünfte junge Mensch, der den Kampf verloren hat. Jedes Mal erschüttert es mich aufs Neue, denn jedes Mal erinnert es mich auch an meinen eigenen Schicksalsschlag und jedes Mal muss ich mir sagen, dass es mir gut geht. Dass ich gesund bin. Und dennoch macht es mir jedes Mal sehr zu schaffen. Es ist so schrecklich und so ungerecht, dass so junge und tapfere Menschen sterben müssen.

Ich sende dir einen ganz lieben Gruß in den Himmel und wünsche mir so sehr, dass es dir dort besser geht. Du bist eine so tolle junge Frau gewesen und ich bin sicher, dass du jetzt oben auf einer Wolke tanzt und von dort aus auf deine Lieben Acht gibst. Ich werde dich nie vergessen!!