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Mittwoch, 24. Oktober 2018

Am Rande des Wahnsinns

Es ist erstaunlich wie viel Kraft unsere Gedanken besitzen. Unsere Gedanken haben uns vollkommen im Griff.

Knapp zwei Monate lang habe ich mich mit einem Engegefühl im Hals herum geplagt. Sobald ich morgens im Bett die Augen aufgemacht habe, spürte ich diese Enge. Das Drücken im Hals. Tagsüber war das Gefühl mal mehr und mal weniger präsent. Am Abend, wenn ich einfach nur entspannen wollte, schreit mein Hals erneut. Das Gefühl nicht richtig schlucken zu können und einen dicken Kloß im Hals zu haben war immer da.

Natürlich habe ich ein wenig gegoogelt (was man ja eigentlich nicht tun sollte) und natürlich habe ich die ein oder anderen Hinweise gefunden. Vor allem aber habe ich von dem sogenannten "Globusgefühl" gelesen, was genau meine Symptomatik beschreibt. Aber auch habe ich gelesen, dass dieses Gefühl oft psychosomatisch ist und es nicht immer eine körperliche Ursache gibt. Aber natürlich kann das Problem sehr wohl körperlicher Natur sein. Vor allem, wenn ich an meine Schilddrüse und deren Knoten denke. Oder wenn ich an meine zurück liegende Non-Hodgkin-Erkrankung denke.

Kurz gesagt: ich habe mich wirklich verrückt gemacht! Ständig habe ich meinen Hals abgetastet und empfunden, dass er ganz dick und geschwollen ist. Dass ich Knubbel spüre. Dass ich Schmerzen habe. Es ging mir wirklich von Woche zu Woche schlechter. Meine Gedanken haben sich permanent um dieses Gefühl gedreht.

Auch, wenn ich es die letzten Monate immer gut geschafft habe, meine negativen Gedanken rund um irgendwelche Symptomatiken wahrzunehmen, aber dann auch weiter ziehen zu lassen, so ist es mir dieses Mal einfach nicht gelungen. Ich habe nach langem Grübeln also doch meinen Hausarzt aufgesucht. Ehrlich gesagt habe ich es mir mit der Entscheidung nicht leicht getan, da ich tief im Inneren wusste, dass alles in Ordnung ist. Dass "nur" meine Gedanken verrückt spielen. Aber ich sah keinen Ausweg. Ich kam mir so blöd vor.

Mein Hausarzt hat im Rahmen meiner vierteljährlichen Kontrolle dann ein großes Blutbild gemacht und dieses für gut befunden. Meine Beschwerden hat er sofort als psychosomatisch beschrieben und mich wieder nach Hause geschickt.

Okay. Das Blutbild ist in Ordnung. Das ist wichtig. Das ist beruhigend. Aber dennoch blieb das Globusgefühl. Es wurde sogar schlimmer statt besser, sodass ich zwei Wochen später erneut meinen Hausarzt aufgesucht habe. Dieser hat mich zunächst verständnislos angesehen und ich habe ihm gesagt, dass ich mir sicher bin, dass es psychischer Natur ist, dass es mir aber dennoch schlecht damit geht und ich nicht weiter weiß. Ich bin wirklich bei ihm in Tränen ausgebrochen, habe richtig geschluchzt. Ich wusste einfach nicht weiter. Mein Arzt hat sich dann auch wirklich viel Zeit für mich genommen und lange mit mir gesprochen. Zu Guter letzt hat er mir eine Überweisung für die Radiologie und ein neues Rezept für Psychotherapie gegeben.

Nach dem Arztbesuch war ich zum einen deutlich befreiter, weil ich den Tränen freien Lauf gelassen habe und mein Arzt mit seinen Worten auch wirklich ins Schwarze getroffen hat, aber zum anderen war ich auch unglaublich verwirrt. Das MRT vom Hals hat mein Arzt mir zwar in erster Linie verschrieben, um mich zu beruhigen. Um mir zu zeigen, dass alles gut ist. Aber auch mit den Worten "sicher, ist sicher... der Teufel ist manchmal ein Eichhörnchen". Möchte ich zukünftig wirklich für jedes Zimperlein ins MRT gehen, nur damit ich beruhigt bin? Das kann doch nicht meine Zukunft sein? Aber andererseits möchte ich mir auch keine Vorwürfe machen, dass ich nicht auf meinen Körper gehört habe und am Ende doch ein körperliches Problem habe.

Nach langem Hin und Her habe ich mich dann ans Telefon gesetzt und versucht einen MRT-Termin zu bekommen. Guter Scherz! Die frühsten Termine wären fünf Monate später frei gewesen und bis dahin wäre ich vermutlich komplett durchgedreht. Das hat mich erneut an den Rande der Verzweiflung getrieben und letztendlich bin ich nur über eine Bekannte, die in einer Klinik arbeitet, an einen Termin in der darauffolgenden Woche gekommen. Davon werde ich in meinem nächsten Beitrag berichten...

Abschließend möchte ich hierzu aber noch sagen, dass ich mich schrecklich hilflos gefühlt habe. Ich war in dem Glauben, in der Hoffnung, dass alles gut ist. Dass ich nur wieder eine negative Gedankenphase habe. Aber andererseits war ich voller Angst. Habe ich ein Rezidiv? Habe ich vielleicht ein Schilddrüsenkarzinom? Habe ich vielleicht Knoten und Zysten, die gewachsen sind und operativ entfernt werden müssen? Und das schlimmste war, dass einige aus meinem Umfeld mich direkt skeptisch anschauen. Es wird zwar Verständnis geheuchelt und direkt darauf folgt die Frage "Oder bildest du dir das vielleicht nur ein?" Vielen Dank auch!!

Es ist nicht schön so etwas hören zu müssen, weil es mich sehr verletzt und zugleich auch noch mehr verunsichert hat. Umso wertvoller ist auch in dieser Situation wieder mein Mann, der mich immer wieder in den Arm nimmt und bei mir ist. Der mich versteht und immer für mich da ist.




Samstag, 9. Dezember 2017

Nachsorge: CHECK


Zuerst einmal die gute Nachricht: es ist nach wie vor alles in bester Ordnung. Ich bin soo happy!!!

In den letzten Monaten war es immer wieder ein auf und ab und ich hatte wirklich miese Phasen dazwischen, in denen ich mich einfach nur verrückt gemacht habe. Mein Kopf begann wieder Horrorszenarien zu produzieren und mein Körper reagiert augenblicklich. Er reagiert indem er meinen Magen schmerzen lässt. Mir wird es eng um die Brust und ich muss ständig husten. Mein Herz rast. Mein Tumorbereich zieht und schmerzt. Mein Körper spielt wirklich verrückt und das zieht mich ruck zuck in einen Teufelskreis, aus dem ich einfach nicht mehr rauskomme. Es ist zum verrückt werden. Ich bekomme sogar Angst vor der Angst und das ist fast noch beängstigender. Dabei WEISS ich ja, was vor sich geht. Ich weiß, dass mein Körper nur auf meine Gedanken reagiert. Ich weiß, dass eigentlich alles in Ordnung ist. Aber dieses Wissen kommt leider nicht gegen meine Angst an.

Aber glücklicherweise habe ich die Nachsorge jetzt wieder hinter mir und weiß, dass alles in Ordnung ist. Meine Blutwerte sind spitze und das CT ist unverändert. Wir waren soooo erleichtert!!!

Sonntag, 10. September 2017

Keine Lust glücklich zu sein?


Die letzten Wochen waren eher grau und trist. Ich fühle mich gefangen. Gefangen in meinen negativen Gedanken. Gefangen in meinem Körper. Gefangen in meinem Leben. Das klingt so schrecklich negativ und wenn ich es so lese, dann würde ich sagen, dass es ja garnicht so schlimm ist. Ist es auch nicht. Aber in letzter Zeit fällt mir das Lächeln oft schwer. Ich hänge meinen Gedanken nach. Meinen Sorgen und Ängsten. Wenn es mir gerade mal wieder gut geht. folgt sogleich das nächste Tief und ich fühle mich gefangen in diesem Teufelskreis.

Habe ich momentan vielleicht einfach keine Lust glücklich zu sein? Wenn ich ehrlich bin, dann könnte ich es doch ändern. Von jetzt auf gleich. Ich könnte jetzt sofort mit dem Lächeln beginnen. Aber ich tue es einfach nicht. Stattdessen sage ich, dass alles doof ist und mir die Motivation fehlt. Die Freude. Aber wie komme ich es diesem Loch wieder raus? Aus diesem fiesen Kreislauf? Ich habe noch keine Idee, aber ich habe auch keine Lust, noch länger hier gefangen zu sein. Das geht gefühlt schon einige Wochen so und es macht mich kaputt. Es frisst mich auf.

Ich habe den Krebs besiegt! Da werde ich doch wohl noch meine fiesen Gedanken besiegen können!? 

Samstag, 12. August 2017

Meine erste Panikattacke


Mein erster Wanderurlaub und es war so schön. Wir waren zwar nur ein paar Tage unterwegs, aber ich habe die wunderbare Natur so sehr genossen. Vor ein paar Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich daran mal Gefallen finden könnte. Und vor ein oder zwei Jahren erst Recht nicht, denn da befand ich mich noch in der Therapie.

So sehr ich das Wandern auch genossen habe, gab es trotzdem ein Erlebnis, das für mich neu war: eine Panikattacke. Wir waren schon eine Weile unterwegs und kamen dann an eine Brücke über einer tiefen Schlucht. Wir mussten eine Weile anstehen und je näher wir kamen, desto eher merkte ich, dass ich nicht so richtig will. Trotzdem bin ich auf die Brücke, musste mich aber direkt am Geländer festhalten. Überall Menschen und unter mir die Schlucht. Ich habe ein paar Blicke gewagt, schließlich waren wir deswegen ja auch dort. Aber dann musste ich ganz schnell da weg. Als ich von der Brücke runter war, bin ich ein paar Meter gelaufen und habe mich dann in den Wald geflüchtet, weg von den Leuten. Mir liefen plötzlich die Tränen, ich fing an zu schluchzen und zu zittern. Ich habe mich da richtig reingesteigert und ich kann im Nachhinein garnicht sagen, was genau der Auslöser war. Die Höhe? Die Menschen? Die Weite? Ich weiß es nicht. Und was hat mich danach so bitterlich weinen lassen? Die Scham? Der Schock, wie ich reagiert habe? Die Angst? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass das für mich neu war. Mir haben solche Situationen nie etwas ausgemacht. Aber etwas ähnliches habe ich letztes Jahr auf der Achterbahn erlebt. Es ist erschreckend plötzlich solche Reaktionen bei sich festzustellen. Ich weiß auch nicht, ob es einmalig war oder, ob es beim nächsten Mal auch passieren wird. Auch weiß ich nicht, ob es tatsächlich durch die Krebserkrankung kommt oder, ob es mir auch zuvor schon hätte passieren können. Eigentlich ist die Antwort auf die Frage auch egal. Ich muss akzeptieren, dass es passiert ist.

Die Behauptung "Krebs verändert das Leben für immer" scheint wohl zu stimmen... aber wir können lernen mit den Folgen zu leben. Auch, wenn das nicht immer einfach ist.

Montag, 17. Juli 2017

Wann verschwindet die Angst?


Eben noch ging es mir gut, ich habe mich frei gefühlt. Frei von Sorge. Doch dann rückt ganz plötzlich wieder eine dicke schwarze Wolke näher. Immer näher. Über mir bleibt sie stehen. Sie nimmt mir das Licht, die Zuversicht. Ich sitze unter der Wolke und alles um mich herum wird dunkler und dunkler. Ich habe Schwierigkeiten hinter der Wolke noch ein paar Sonnenstrahlen zu erblicken und noch mehr Schwierigkeiten habe ich damit, die Wolke los zu lassen. 

Meine Angst ist wie diese dunkle Wolke. Ganz plötzlich taucht sie auf, bleibt für unbestimmte Zeit und dann verschwindet sie wieder. Aber wann verschwindet sie für immer? Vermutlich nie! Ich weiß, dass die Angst um meine Gesundheit, um mein Leben mich immer begleiten wird. Seit meiner Erkrankung noch viel intensiver als vorher. Aber ich möchte das nicht. Ich möchte nicht, dass die Angst mich immer wieder aus der Bahn wirft!!

Die letzten Wochen ging es mir wirklich gut. Körperlich und psychisch. Ich habe mich richtig wohl gefühlt und sogar noch mit meiner Psychoonkologin darüber gesprochen, dass ich momentan frei von Sorge vor einem Rezidiv bin. Aber kaum hatte ich es ausgesprochen, plagten mich am darauffolgenden Tag Kopfschmerzen, Druck auf dem Auge und vor allem permanente Müdigkeit. Eine knappe Woche hielt es an und vor allem die Müdigkeit beunruhigte mich. Auch überkam mich immer wieder eine kurze Hitzewelle. Die Müdigkeit, die Hitzewallung und die Antriebslosigkeit erinnerten mich zu sehr an die Zeit während der Chemotherapie. Die Erinnerungen kamen wieder hoch und somit die Angst. Zumal Müdigkeit ja auch ein Anzeichen einer Krebserkrankung ist... aber was istt laut Dr. Google kein Zeichen für eine Krebserkrankung!? Nichts.... richtig. Alles deutet laut Dr. Google auf eine Krebserkrankung hin. So ein Blödsinn!! Und dennoch war bzw. bin ich beunruhigt.

Meine Müdigkeit ist nach ein paar ausgiebigen Schlafeinheiten am Wochenende etwas weniger geworden und auch die Kopfschmerzen sind weg. Dennoch überkommt mich immer wieder ein ungutes Gefühl. Heute Mittag hatte ich keinen Appetit und habe meinen Teller nicht leer gegessen. Sehr, sehr untypisch für mich... trotzdem sollte das keine Angst in mir hervor rufen. Tat es aber. Appetitlosigkeit? Gewichtsverlust? Wieder ein Anzeichen für eine Krebserkrankung. Das macht mich wahnsinnig!! Wie komme ich aus dieser negativen Gedankenspirale wieder heraus? Ich habe leider noch keine Antwort darauf. Ich hoffe nur, dass ich sehr bald eine finde, denn die Angst und die Sorge tun mir nicht gut. 

Wenn jemand Erfahrung damit und vielleicht ein paar gute Tipps hat, würde mich mich sehr über einen Kommentar oder eine Nachricht freuen. Danke schön.

Montag, 26. Juni 2017

Das Schicksal ist ein mieser Verräter


Bei dem Titel handelt es sich nicht nur um ein wunderbares, wenn auch fürchterlich trauriges Buch, sondern auch um das wahre Leben. Schon wieder ist ein so wunderbarer Mensch von uns gegangen. Ein junges Mädchen, das ich letztes Jahr in der Reha kennen gelernt habe. Ein Mädchen mit so viel Mut und Kraft und Lebensfreude. Und doch hat sie den Kampf gegen den Krebs verloren. Das Schicksal ist wirklich ein mieser Verräter!!

Es ist schrecklich zu sehen, dass gerade mal ein Jahr nach meiner Reha, schon die Fünfte gestorben ist, die ich dort kennengelernt habe. Der fünfte junge Mensch, der den Kampf verloren hat. Jedes Mal erschüttert es mich aufs Neue, denn jedes Mal erinnert es mich auch an meinen eigenen Schicksalsschlag und jedes Mal muss ich mir sagen, dass es mir gut geht. Dass ich gesund bin. Und dennoch macht es mir jedes Mal sehr zu schaffen. Es ist so schrecklich und so ungerecht, dass so junge und tapfere Menschen sterben müssen.

Ich sende dir einen ganz lieben Gruß in den Himmel und wünsche mir so sehr, dass es dir dort besser geht. Du bist eine so tolle junge Frau gewesen und ich bin sicher, dass du jetzt oben auf einer Wolke tanzt und von dort aus auf deine Lieben Acht gibst. Ich werde dich nie vergessen!!



Samstag, 8. April 2017

Tendenziell phobisch, hypochondrische Tendenzen

In den letzten Wochen hatte ich immer wieder ein ungutes Gefühl im Bauchraum. Ein starkes Völlegefühl. Mal in der Magengegend, mal etwas tiefer, wo der Darm sitzt. Das Völlegefühl machte mir das Atmen oft schwer und ich war schnell am Schnaufen, wenn ich die Treppe lief. Ich fühlte mich daher zunehmend unwohler und hinzu kamen Schmerzen im Bauchraum.

Ich habe versucht mich damit zu beruhigen, dass die Magenprobleme vom Kopf kommen, weil ich momentan so unruhig bin und einige Rezidive im Umkreis diagnostiziert worden sind. Sogar Lymphom-Rezidive, was mir, ehrlich gesagt, ein wenig den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Ich könnte auch ganz einfach sagen, dass ich wirklich Angst hatte!!

Aber die Beschwerden ließen nicht nach, sodass ich dann doch zu meinem Hausarzt gegangen bin. Dieser hat meinen Bauch abgetastet und festgestellt, dass alles ziemlich verhärtet und voll mit Luft ist. Dadurch entsteht das Völlegefühl und in Kombination mit meinem Zwerchfellhochstand drückt das natürlich auch auf die Lunge. Klingt plausibel. 

Mein Arzt verschrieb mir etwas für den Magen und fragte zudem, ob ich evtl. meine Ernährung verändert habe. Er suchte nach einer Erklärung. Das musste ich jedoch verneinen und er war sich sicher, dass irgendetwas anders sein müsse. Ich habe ihm dann von meinen Rezidivängsten erzählt und er nickte verständnisvoll und versuchte mich etwas zu beruhigen. Danach machte er sich ein paar Notizen in seiner Akte und las laut "Tendenziell phobisch, hypochondrische Tendenzen". Ehm... bitte was? Ich lachte und fragte ihn, ob das ein Witz sei!? Ich muss dazu sagen, dass ich wirklich gut mit meinem Arzt klar komme und er auch immer sehr humorvoll ist. Ich sagte ihm, dass ich seine Notiz zwar nicht leugnen kann, aber ob es denn wirklich nötig sei, dass er es schriftlich festhält. Nun ja... wir haben dann noch ein paar Witze darüber gemacht, aber der Eintrag blieb bestehen. Er hat ja auch vollkommen Recht: natürlich ist das eine Angststörung, wenn ich bei jedem Wehwehchen Angst vor einem Rezidiv habe. Aber etwas unangenehm war es trotzdem.

Wir haben zur Absicherung dann auch nochmal ein Blutbild gemacht, das glücklicherweise auch unauffällig war. Das hat mich dann wirklich etwas beruhigt und mir geht es auch schon wieder deutlich besser. Ob die Medikamente, das gute Blutbild oder die physiotherapeutische Behandlung die Besserung herbeigeführt haben, das weiß ich nicht. Das ist mir gerade auch egal.

Und wisst ihr, was ich jetzt mache? Jetzt verabschiede ich mich erstmal in eine dreiwöchige Reha und wenn ich wiederkomme, dann steht die nächste große Nachsorge in der Uniklinik an.

Sonntag, 19. März 2017

"Wie geht's dir?" - "Danke, gut!"


So oft werde ich von allen möglichen Leuten gefragt "Wie geht's dir?" und jedes Mal sage ich aus Reflex "Danke, gut... und selbst?". Aber warum sage ich das? Denn im Moment geht es mir in der Tat nicht gut. Aber ich erwarte nicht, dass andere Leute das verstehen, daher behalte ich es lieber für mich. Und meine Familie möchte ich oft auch gerne schonen und beschönige daher das ein oder andere. Aber hier möchte ich jetzt mal ernsthaft darüber nachdenken und mal von Kopf bis Fuß in mich fühlen, wie es mir wirklich geht. An die Arbeit!

Im Kopf ist momentan vermutlich gerade am meisten los. Ich denke unglaublich viel an meine Erkrankung. Ich erinnere mich an die Therapie. Ich habe Angst. Angst vor einem Rezidiv. Ich erfahre von Rezidiven in meinem Bekanntenkreis. Ich reagiere sehr empfindlich auf jedes Wehwehchen und habe Angst, dass das ein Zeichen für ein Rezidiv ist. Ich frage mich, wie mein Leben weiter geht. Ob ich gesund bleibe. Ob ich später mit Nebenwirkungen zu rechnen habe. Und das war nur ein Bruchteil der Gedanken, die mir aktuell durch den Kopf geht. Ich bin manchmal wirklich kurz vor dem Durchdrehen und auch sehr emotional. Ich mache mir wahnsinnig viel Stress, psychischen Stress.

Schon mehrere Jahre leider ich unter Parodontitis und hatte diese, Dank guter Zahnpflege und Zahnreinigungen im Abstand von 4 Monaten, gut im Griff. Aber jetzt ist es wieder schlimmer geworden und ich vermute, dass es zum einen daran liegt, dass ich die Zahnpflege letztes Jahr während meiner Therapie etwas vernachlässigt habe, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass die Chemotherapie nicht unbedingt förderlich gewesen ist für mein Zahnfleisch. Aber mal ganz ehrlich... scheiß egal! Schließlich hatte ich Krebs und die Chemotherapie hat mein Leben gerettet.

Die nächste Station wäre mein Hals. Bis gestern noch habe ich mir eingebildet, dass ich geschwollene Lymphknoten am Hals habe. Ständig habe ich gefühlt und war überzeugt, dass ich rechts einen größeren Knubbel spüre. Erst als ich meine Frauenärztin, bei der ich gestern zufällig war, darum gebeten habe, mal zu fühlen, war ich etwas beruhigter.

Meine Stimme schafft es noch immer nicht, gegen laute Musik, z.B. auf einer Party oder einem Konzert, anzukommen. Sie bricht dann einfach weg. Die Probleme mit der Stimme haben nach der Entnahme des Eierstockgewebes begonnen, bei der meine Stimmbänder durch die Beatmung leicht verletzt worden sind und durch die Chemo vermutlich nicht ausreichend schnell wieder heilen konnten. 

Auch meine Speiseröhre reagiert meistens sehr empfindlich auf scharfe Speisen und kratzige Krümel. Durch die Bestrahlung ist die Speiseröhre natürlich in die Schusslinie geraten, aber ich muss sagen, dass ich dennoch großes Glück und während der Bestrahlung keine Probleme hatte.

Der Bereich rund um meine Port-Narbe ist noch immer etwas empfindlich, aber die Schmerzen habe deutlich nachgelassen. Dennoch spüre ich den Muskel oft schmerzhaft, wenn er gedehnt wird. Ein unangenehmes Gefühl. Die Narbe leuchtet noch immer in einem knalligen Rosa, aber die OP ist ja auch erst drei Monate her.

Wenn ich mich nun langsam dem Tumorbereich nähere, so fällt es mir sehr schwer, mein Empfinden verständlich zu beschreiben. Oft spüre ich ein unangenehmes Ziehen, einen stechenden Schmerz in der Region und ich frage mich immer, ob das tatsächlich der Tumorbereich ist, der sich aufgrund der Bestrahlung, bemerkbar macht. Vielleicht ist es aber auch nur ein geklemmter Nerv. Vielleicht ist es aber auch das Herz, das ebenfalls in der Schusslinie der Strahlentherapie war. Wie man schnell erkennt, sind das alles nur wilde Vermutungen von mir, die mir auch niemand sicher beantworten kann. Aber es sind eben Gedanken, die ich mir mache. Wenn auch völlig sinnlos, da ich es eh nicht ändern kann.

Mein Herz das klopft oft wild drauf los. Momentan wieder etwas öfter. Auch bin ich momentan wieder schnell außer Atem, was mir eine große Angst einjagt. Auch ein kleiner Hustenreiz hier und ein Räuspern da, lassen nicht nur bei mir, sondern auch bei meinem Freund, die Sorgenfalten tiefer werden. Husten und Kurzatmigkeit sind zwei Symptome, die auf meine Krebserkrankung hingewiesen haben und daher werden das auch immer Symptome sein, die mir Angst einjagen werden. Jedes verdammte Mal.

Mein Magen hat immer mal wieder Phasen, in denen er sehr empfindlich ist. Momentan schmerzt er sogar richtig. Mein gesamter Bauchbereich ist empfindlich und verhärtet. Ein Besuch bei meinem Physiotherapeuten hat mir bestätigt, dass mein Magen- und Darmbereich sehr verkrampft ist und auf den ein starker Druck ausgeübt wird, durch den die Schmerzen verursacht werden. Er hat alles intensiv massiert und durchgerüttelt und jetzt schmerzt momentan alles noch viel schlimmer. Eine Art Organmuskelkater vielleicht!?

Eine Etage tiefer kommen wir zu dem, vor allem für junge Leute, schwierigen Thema des möglichen Verlusts der Fruchtbarkeit. Meine Periode hat zwar wieder eingesetzt, aber sie ist noch immer sehr unregelmäßig und auch keine Garantie für eine mögliche Schwangerschaft. 

Mehr fällt mir momentan nicht ein, aber ehrlich gesagt reicht mir das auch vollkommen!! Ohne meine gerade im Kopf herumschwirrenden negativen Gedanken liest es sich vermutlich nur halb so schlimm und ich würde vielleicht wirklich sagen, dass es mir gut geht. Aber da die Gedanken und Empfindungen nun mal da sind, bin ich geneigt dazu zu sagen, dass es mir gerade eher bescheiden geht!




Donnerstag, 23. Februar 2017

Su lang mer noch am lääve sin...

Um es mit den Worten von der kölschen Band Brings zu sagen: "Su lang mer noch am lääve sin, am laache, kriesche, danze sin, su lang - mer noch am lääve sin". Kölle Alaaf!!

Eigentlich hätte ich heute gleich zwei Gründe zu feiern: Weiberfastnacht in Köln und heute vor einem Jahr habe ich meine letzte Bestrahlung bekommen. Therapieende!

Aber irgendwie ist mir heute nicht zum Feiern zumute. Die ganze letzte Zeit schon nicht. Aus meinem Reha-Bekanntenkreis jagt ein Rezidiv das nächste. Auch Todesfälle gab es schon drei. Das ist so erschreckend mit anzusehen und macht mir oft schreckliche Angst. Ich weiß zwar, dass keine Diagnose wie die andere ist und ich mich nicht mit den anderen vergleichen kann, aber trotzdem habe ich oft einfach nur Angst und finde alles richtig beschissen. Vor allem momentan... seit dem auch eine mittlerweile sehr gute Freundin auf den leider schlechten Befund aus der Nachsorge wartet. Ich kann momentan kaum abschalten, ständig kreisen meine Gedanken. Der psychische Stress löst bei mir auch einige körperliche Beschwerden aus: durch die Anspannung ist mein gesamter Körper verspannt, alles tut weh. Ich kann mich kaum bewegen. Mein Brustkorb fühlt sich an wie zugeschnürt, ich bekomme schlecht Luft. Hier ein Husten, da ein Husten. Der Magen ist gereizt und fühlt sich permanent voll an. Ich weiß, dass ich mir den Stress selber mache, aber ich kann es auch nicht verhindern. Ich muss versuchen möglichst ruhig zu bleiben.

Auch vorhin wollte ich wirklich gerne ausgelassen Karneval feiern. Ich war auf einer tollen Party, aber ich konnte mich einfach nicht fallen lassen. Die laute Musik, die vielen Leute. Ich habe gedacht, ich drehe jeden Moment durch. Der Bass der Live-Bands dröhnte durch meinen Körper, mein Herz raste. Laut gegen die Musik sprechen kann ich nicht, da versagt meine Stimme, die bricht einfach weg. Kohlensäure brennt in meiner Speiseröhre und jeder Bissen ist zu viel. Zu Hause angekommen rollten mir erstmal zwei Tränchen über die Wangen, denn das macht mich traurig.

Am liebsten möchte ich zur Uniklinik fahren und um meine nächste Nachsorge bitten. Ich möchte wissen, dass alles in Ordnung ist. Aber ich habe erst Halbzeit. Erst in drei Monaten habe ich wieder Nachsorge. Bis dahin ist noch viel Zeit. Und diese Zeit möchte ich genießen. Ich möchte frei sein. Ich möchte leben. Ich möchte mich am Leben erfreuen. Und deshalb treffe ich mich jetzt erstmal mit ein paar Mädels zu einem schönen Abend.

Freitag, 23. Dezember 2016

Ein Weihnachtsfest voller Liebe


Letztes Jahr um diese Zeit habe ich sehnsüchtig auf das Ergebnis des PET CTs gewartet. Ich habe mir von ganzem Herzen gewünscht, dass die Krebstherapie vorbei ist. Die Chemotherapie war sehr anstrengend und auf eine Bestrahlung wollte ich gerne verzichten. Doch leider ließ das Ergebnis auf sich warten. Versprochen wurde mir das Ergebnis noch vor den Weihnachtstagen, aber leider erhielt ich die Nachricht, dass ich mich noch gedulden müsse. Daher verbrachte ich das Weihnachtsfest in Ungewissheit. Erst kurz vor Silvester erhielt ich den Anruf aus der Uniklinik und leider erhielt ich auch nicht die Nachricht, die ich mir so sehr gewünscht habe. Das PET CT ließ noch eine Restaktivität des Tumors vermuten, sodass mir eine Bestrahlung empfohlen wurde. Die Nachricht hat mich erstmal wieder in eine tiefes Loch fallen lassen. Ich wollte die Krebstherapie abschließen. Ich wollte nicht zur Bestrahlung. Ich hatte Angst vor den Nebenwirkungen der Bestrahlung. Ich wollte gesund sein. Ich wollte wieder zurück in den Alltag. Aber mein Alltag bestand zunächst daraus, dass ich mehrere Wochen täglich zur Bestrahlung muss.

Heute, ein Jahr später, sitze ich nahezu gesund und munter auf dem Sofa und blogge über das vergangene Jahr. Mein Leben mit Krebs. Heute sind die Fäden von meiner Port-Explantation gezogen worden und jetzt kann ich ein weiteres Kapitel abschließen und mich auf die Weihnachtsfeiertage freuen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen wunderbare Tage, die ihr hoffentlich im Kreise eurer Familie und Freunde verbringen dürft. Genießt jeden Moment. Seid dankbar. Schenkt euch Liebe.

Dienstag, 13. Dezember 2016

Jedes Symptom lässt mich aufhorchen

Dass ich noch lange nicht so weit bin, dass ich sagen kann, ich habe keine Angst vor einem Rückfall, das ist mir klar. Aber, dass die Angst so schnell und so plötzlich über mich kommt, das hatte ich nicht erwartet.

Ganz plötzlich verspürte ich Gliederschmerzen. Gliederschmerzen, wie ich sie bisher nur aus meiner Chemo-Zeit kannte. Sie gingen nicht weg, wurden mehr in meinem Körper und ich fühlte mich schlagartig wirklich schlecht. Krank. 

Ich habe meine Sachen gepackt und das Büro verlassen. Erstmal ins Bett und schlafen, danach geht's bestimmt wieder besser. Stattdessen kam am Abend Fieber hinzu, nachts schlief ich schlecht und wachte nass geschwitzt auf. Die Alarmglocken schrillten bei mir: Nachtschweiß! Eine typische B-Symptomatik bei Krebserkrankungen. Allerdings auch eine gewöhnliche Begleiterscheinung einer Grippe und Fieber. Ich versuchte die Augen wieder zu zu machen, aber schlafen konnte ich nicht mehr. Meine Ängste und Sorgen waren wieder da. Begleitet von Schlappheit und Durchfall verbrachte ich das Wochenende auf dem Sofa. 

Mein Verstand sagte mir, dass ich mir eine Grippe oder einen Magen-Darm-Virus eingefangen habe, um den momentan kaum jemand drum herum kommt. Aber oft spielen die Gedanken eine ganz andere Rolle. Als ich am darauffolgenden Montag zu meinem Hausarzt bin, hatte ich wirklich Angst. Mir war richtig flau. Ich habe ihm auch von meinen Sorgen erzählt und er hat mir lächelnd gesagt, dass ein netter Magen-Darm-Virus deutlich wahrscheinlicher wäre. Ich weiß, ich weiß.

Es ist unglaublich wichtig, dass wir auf unseren Körper hören. Das sollte jeder tun. Aber wir Krebspatienten werden, ob wir es wollen oder nicht, vermutlich automatisch sehr sensibel. Jedes Wehwehchen, egal ob klein oder groß, kann eine große Angst in uns hervorrufen, ganz plötzlich. Die Angst, dass der Krebs wieder ausgebrochen ist und wir erneut gegen ihn kämpfen müssen. Es ist daher sehr gut, dass wir auf uns achten, aber wir dürfen uns auch nicht von der Angst und Sorge dominieren lassen. Das ist, merke ich immer wieder, jedoch leichter gesagt als getan. 

Sonntag, 13. November 2016

Warum ich? Warum nicht ich!?

Viele Menschen, denen etwas Unerwartetes und Schlimmes geschieht, die stellen sich die Frage "Warum ich?". So habe ich auch einige Krebspatienten getroffen, die sich genau diese Frage gestellt haben. Warum trifft es gerade mich?

Nachdem ich das nun von mehreren mitbekommen habe, habe ich mal in mich hineingehört und ein wenig nachgedacht. Ich musste jedoch feststellen, dass ich mir diese Frage noch nicht gestellt habe. Natürlich war auch ich nicht darauf vorbereitet und somit mehr als nur erschrocken, überrascht, verängstigt und besorgt. Aber als ich die Tage über die Frage nachgedacht habe, da gab es nur eine Antwort für mich: Warum nicht ich?

Es ist nicht so, dass ich zu einer typischen Risikogruppe dazugehöre. Ich rauche nicht, ich trinke nicht. Ich setze mich keinem langen Sonnenbad aus, ich habe nicht unnötig viel Stress und bin ein fröhlicher Mensch. Ich hatte also keinen Grund davon auszugehen, dass ich z.B. an Lungenkrebs erkranke, weil ich viel rauche. Nein, über all das habe ich mir nie Gedanken gemacht. Aber nachdem ich mich das letzte Jahr nun intensiv mit der Krankheit auseinander gesetzt habe und gerade auch bei Non Hodgkin Lymphomen nicht unbedingt eine Ursache bekannt ist, weiß ich, dass es jeden treffen kann. Und ich habe leider auch gelesen, dass mittlerweile fast jeder zweite Deutsche im Laufe seines Lebens an Krebs erkrankt. Warum also nicht ich? 

Es bringt meiner Meinung nach auch nichts, sich mit solchen Fragen zu quälen. Denn selbst, wenn ich es durch eine ungesunde Lebensweise begünstigt habe, so muss ich mich jetzt dennoch mit der Krankheit auseinandersetzen und den Kampf beginnen. Da helfen weder Selbstvorwürfe noch Selbstmitleid. Dann heißt es kämpfen.

Und dann... dann sollte man vielleicht wirklich mal über seine Lebensweise nachdenken und eventuell an der ein oder anderen Stelle etwas gesünder leben. Ernährung, Bewegung und Entspannung... die drei Säulen zu mehr Gesundheit. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, schlechte Gewohnheiten abzulegen. 

Genießt jeden Augenblick!




Sonntag, 16. Oktober 2016

Einen lieben Gruß in den Himmel


Das Meer kann so wunderschön sein. Es schillert in zahlreichen Farben. Das sanfte Rauschen der Wellen ist herrlich beruhigend. Und dennoch hat das Meer auch eine andere Seite. Es kann heimtückisch und gefährlich sein. Es reißt einen ganz plötzlich in die Tiefe, die Wellen brechen über einem zusammen und man weiß nicht, was für Gefahren unter einem lauern. Aber ist das Leben nicht ähnlich? Im einem Moment bietet einem das Leben so viele Freuden und im nächsten Trauer und Leid.

Auch ich fühle mich oft so hin und her gerissen. In der letzten Woche war ich wieder am Meer, weil ich es einfach so liebe. Dort ist auch dieses wunderbare Foto entstanden... Ich kann stundenlang auf das Meer schauen, in die Ferne blicken und meine Gedanken schweifen lassen. Am liebsten bin ich in solchen Momenten ganz alleine. Daher gibt es für mich im Urlaub nichts schöneres als früh aufzustehen und zum Meer zu laufen. Keine Menschenseele weit und breit. Nur ich und das Meer.

Ich habe die Momente am Meer sehr genossen und die Schönheit der Natur in mich aufgenommen. Ich habe über meine aktuelle Situation nachgedacht und mich gefreut, dass es mir schon wieder so gut geht. Vor genau einem Jahr war ich noch mitten in der Chemotherapie und hatte keine Vorstellung davon, was mich noch zu erwarten hat und wie es weiter geht. Heute hingegen ist wieder Normalität eingetreten. Eine "neue Normalität", wie ein Kollege von mir immer zu sagen pflegt. Aber am Meer habe ich Zufriedenheit und Ruhe in mir aufsteigen gespürt.

Bis zu dem Moment als die nächste Welle über mir zusammenbrach: Der Tod eines sehr guten Bekannten, der den Kampf gegen den Krebs leider verloren hat. Viel zu früh musste er gehen und er hat das letzte Jahr so tapfer für sich, seine Kinder und seine Familie gekämpft. Und das sind dann wieder die anderen Momente im Leben, in denen in mich einfach nur frage: WARUM?? Und ich habe keine Antwort darauf... 

Montag, 3. Oktober 2016

Die Macht meiner Gedanken


Ich habe mich seit Wochen auf diesen Tag gefreut. Auf die neue Achterbahn im Freizeitpark. Sie wurde überall beworben und ich wollte einfach nur drauf und die Fahrt genießen! Aber als ich im Freizeitpark angekommen bin und zunächst eine etwas ruhigere und mir bekannte Achterbahn gefahren bin, habe ich erneut gemerkt, dass ich nicht mehr so gut Achterbahn fahren kann wie vor der Erkrankung. Krass... Ich habe das schon im April bemerkt, aber gedacht, dass es mittlerweile besser sein müsste. Ist es aber nicht. Aber bis dahin habe ich einfach nur gespürt, dass ich die Fahrt anders, intensiver empfinde. Noch nicht weiter schlimm. Die nächste Fahrt war dann mit Looping. Yeah! Auch diese Bahn kannte ich. Aber schon nach dem ersten Looping merkte ich, wie meine Gedanken anfingen zu rasen. Mein Herz pochte wild. Mein Kreislauf spielte verrückt. Ich wollte einfach nur aus dem Sitz raus. Ich habe mich auf die Atmung konzentriert und gedacht, dass ich jeden Moment ohnmächtig werde. Als die Fahrt vorüber war, war ich wirklich froh. Ich habe mir direkt meine Wasserflasche aus dem Rucksack geholt, einen großen Schluck getrunken, mich hingesetzt und tief durchgeatmet. Das war wirklich kein schönes Gefühl und ich war vor allem so wahnsinnig enttäuscht von mir selbst.

Den ganzen Tag sind wir an der tollen neuen Achterbahn vorbei gelaufen, haben die Leute kreischen gehört und das Surren des Katapultstarts. Aber ich wusste, dass ich das heute nicht schaffen würde. Ich habe mich einfach nicht getraut. Ich war wirklich traurig und enttäuscht, dass ich nicht mit der neuen Achterbahn fahren konnte und habe mich richtig geärgert.

Aber woher kommt diese Veränderung plötzlich? Ist es einfach nur das erhöhte Stresslevel? Oder ist es ein körperliches Problem? Oder vielleicht sogar ein psychisches Problem? Da ich seit der Therapie besonders stark auf meinen Herzschlag achte, den ich oft sehr intensiv wahrnehme, habe ich Sorge, dass ich mich da hinein steigere. In die Sorge, in die Angst, dass mein Herz unter der Therapie gelitten hat. Vielleicht ist das der Grund, warum ich auch auf der Achterbahn Angst habe. Angst, dass durch das Adrenalin mein Herz plötzlich "peng" macht. Blödsinn! Ich weiß es ja. Aber die Sorge macht sich in meinem Kopf immer breiter. Ein Thema für meine Psychoonkologin, würde ich sagen!

Siehe auch: Wenn die Gefühle Achterbahn fahren

Montag, 26. September 2016

Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht

Nicht alles, was nach der Krebsdiagnose aus dem Gleichgewicht gerät ist auf die Erkrankung zurückzuführen. Oft hilft es, wenn man mal einen anderen Blickwinkel einnimmt und sich von seinen Gedanken löst. Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, dann kann es viele Gründe dafür geben. Wichtig ist, dass wir nicht immer alles auf die Krankheit schieben. Denn irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir versuchen müssen, unseren Blick auch wieder nach vorne zu richtig. So schwer es oft auch fallen mag.

Im Moment bin ich beruflich sehr... nennen wir es mal "gut ausgelastet". Letzte Woche gab es den Moment an dem ich abends nach der Arbeit einfach nur geweint habe. Ich wusste nicht, wie ich mit dem Stress momentan umgehen sollte. Ich wusste nicht, ob ich mir nicht vielleicht zu viel zumute. Aber vor allen Dingen hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mir eingeredet habe, dass ich meinen Job meiner Gesundheit vorziehe. Wenn ich den Stress auf der Arbeit in Kauf nehme und somit aber meiner Gesundheit schade, dann bin ich doch verrückt. Diese Gedanken haben mich letzte Woche wirklich oft beschäftigt. 

Zudem konnte ich abends nicht einschlafen. Ich war nach meinen 10-12 Stunden pro Tag abends einfach nur müde. Ich wollte schlafen. Aber ich konnte nicht schlafen. Meine Gedanken sind immer wieder um das Projekt auf der Arbeit herum gekreist. Ich konnte einfach nicht abschalten und lag stundenlang im Bett. Der Uhrzeiger auf meinem Wecker drehte sich immer weiter, der Zeitpunkt, an dem ich aufstehen musste rückte immer näher und meine Wut, dass ich nicht schlafen konnte stieg. Letztlich habe ich mir vor Verzweiflung in den Schlaf geweint. Und auch hier wieder der Gedanke: das kann doch nicht gesund sein!?

Als ich letzte Woche bei meiner Psychoonkologin war, habe ich ihr mein Problem und meine Gedanken geschildert und mal wieder bin ich ihr so dankbar. Sie löst das Problem natürlich nicht, aber sie hilft mir dabei, es aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und das reicht oft schon aus. In meinem Falle ist es so, dass das Projekt, was gerade so einen Stress bei mir verursacht, zeitlich begrenzt ist. Wäre es bei mir dauerhaft stressig, so müsste ich natürlich etwas dagegen tun, aber da ein Ende in Sicht ist, soll ich es positiv sehen: Ich liebe meine Arbeit. Das tue ich wirklich. Sie macht mir Spaß und ich arbeite gerne mit meinen Kollegen zusammen. Die Arbeit ist also etwas, das mir gut tut. Egal ob krank oder gesund... ein so langer Arbeitstag ist für jeden, der es nicht gewohnt ist, deutlich zu lange und auf lange Sicht natürlich ungesund. Dass ich also nicht abschalten kann und mich oft überfordert fühle, dass hat nicht zwingend etwas mit meiner Erkrankung zu tun. 

Mir hat das Gespräch mit meiner Psychoonkologin daher sehr geholfen. Nichtsdestotrotz versuche ich diese Woche wieder etwas kürzer zu treten. Denn nach einem so langen Arbeitstag bekomme ich auch zu Hause nichts mehr geschafft. Weder was den Haushalt noch was die Freizeit betrifft. Und auch das Bloggen kam, wie ihr vielleicht gemerkt habt, deutlich zu kurz... In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen entspannten Abend.

Dienstag, 30. August 2016

Gedanken und Erinnerungen... Tag für Tag


Auch hier in meinem Urlaub kann ich die Gedanken an den Krebs, wie ihr seht, nicht ausblenden. Oft rede ich mir ein, dass ich die Gedanken vertreiben kann, aber dann stelle ich immer wieder fest, dass es mir nicht möglich ist. Entweder ist es NOCH NICHT möglich. Oder aber es wird NIE möglich sein. Das wird die Zeit zeigen. 

Oft ist es natürlich der eigene Körper, der mich an meine Krankheit erinnert. Aber mindestens genauso oft sind es Einflüsse von außen. In der Reha in Bad Oexen habe ich jede Menge tolle Menschen kennengelernt, mit denen ich jetzt auf Facebook befreundet bin. Hier liked jemand einen Artikel über Krebs und da macht jemand auf einen anderen Krebs-Blog aufmerksam. Am nächsten Tag lese ich von einer Patientin, die mit einem Rezidiv im Krankenhaus liegt und am anderen Tag lese ich von jemandem, der von einer erfolgreichen Nachsorge berichtet. Auch die neuen Freundschaften, die ich geschlossen habe und die mir immer wieder Kraft und Freude schenken, erinnern mich zeitgleich aber auch an den Krebs. Die noch immer häufigen Kommentare meines Umfelds zur Kurzhaarfrisur oder auch nur die Frage wie es mir geht. Alles erinnert tagtäglich an den Krebs.

Dass der Krebs Teil meines Lebens bleiben wird, das ist klar. Alleine durch die regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen und Narben auf Körper und Seele. Aber ist es wirklich notwendig täglich an ihn erinnert zu werden? Langsam glaube ich, dass es momentan einfach nicht möglich ist ihn auszublenden. Aber vielleicht ist es auch nicht nötig. Vielleicht sollte ich auch einfach jeden Tag bewusst an ihn denken. Vielleicht sollte ich mir jeden Tag bewusst machen, dass ich den Krebs besiegt habe. Dass ich lebe und jeden Tag genießen darf. Ich möchte jeden Morgen lächelnd die Augen aufmachen und mich auf den Tag freuen. Ich möchte leben. Jeden Moment genießen.

Sonntag, 28. August 2016

Das Leben spüren

Ein Jahr ist die Krebsdiagnose nun her und es ist viel passiert. Vieles in meinem Leben hat sich verändert. Ich habe viele starke Menschen kennengelernt. Starke Menschen, die viel Leid ertragen müssen. Ich habe das Leben und die Gesundheit zu schätzen gelernt. Das Leben, das vorher so selbstverständlich war. Ich habe gelernt zu genießen. 


Meinen ersten Urlaub nach der Krebsdiagnose genieße ich daher umso mehr. Wenn ich morgens noch im Bett liege verspüre ich schon den Wunsch ans Meer zu gehen. Also schlüpfe ich schnell in ein paar Klamotten und schlendere zum Meer. Ich gehe am Strand entlang, meine Füße spüren das kühle Wasser. Ich sitze auf dem hölzernen Steg, lasse meine Füße herunter baumeln und schaue auf das Meer hinaus. Ich atme tief ein, spüre, wie die Meeresluft durch meine Lungen strömt. Keine Menschenseele ist am Strand. Die Einsamkeit am Meer ist so herrlich. Ich genieße es wirklich jeden Morgen. Ich sitze einfach nur da. Ich atme. Ich lebe.

Sonntag, 21. August 2016

Heute vor einem Jahr... die Krebsdiagnose

Ein Jahr ist schon um. Ein Jahr lang lebe ich jetzt schon mit der Diagnose Krebs. Ich habe gekämpft und ich habe gesiegt. Die Chemotherapie und die Bestrahlung haben Wirkung gezeigt und den Krebs vernichtet. Der emotionale Kampf, der scheint allerdings erst jetzt zu beginnen. Und dennoch bin ich unendlich glücklich, dass ich es geschafft habe und meine Familie und vor allem mein Freund mich jeden Tag aufs Neue aufgefangen haben. Danke.

Als ich nach 4 Tagen im Krankenhaus den Befund mitgeteilt bekommen habe, dass etwas bösartiges in mir wütet, wurde ich vorerst nach Hause entlassen. Die endgültige Diagnose sollte noch einige Tage dauern, da im Labor weitere Untersuchungen gemacht werden müssen. Also fuhr ich am nächsten Tag zu meinen Eltern, um mit ihnen zu reden. Während in bei Ihnen am Wohnzimmertisch saß, klingelte das Telefon. Die Uniklinik. "Guten Tag. Ja also der Befund ist schon da und Sie haben ein Non-Hodgkin-Lymphom." Ratter, ratter... "Ist das Krebs?" Meine Eltern starrten mich mit großen Augen an. Ja, ein Non-Hodgkin-Lymphom ist Krebs. Das habe ich in diesem Moment wohl begriffen. 

Ich kann mich an emotionale Ausbrüche in diesem Moment nicht erinnern. Ich wurde ganz sachlich, glaube ich. Ich wollte für meine Eltern stark sein. Ich musste jetzt alles tun, um wieder gesund zu werden. Diese Woche noch habe ich mich mit meiner Psychologin über diesen Moment unterhalten und sie sagte, dass sehr viele so reagieren. Eine Art Schockzustand. Rückblickend irgendwie total seltsam.

Nach dem kurzen Telefonat bin ich mit dem Befund zu meinem Hausarzt, der mich zunächst einmal über den Krebs an sich aufgeklärt hat und mir gleich versichert hat, dass diese Art eine gute Therapiemöglichkeit hat und keineswegs einem Todesurteil gleich käme. Dies war ein sehr wichtiger Schlüsselmoment, glaube ich. Denn dieses Wissen stärkte mich sofort und ich konnte und wollte hoffen. Ich konnte mich beruhigen. Ich konnte zuversichtlich in die Schlacht ziehen.

Wie der Tag weiter verlaufen ist, das weiß ich gerade wirklich nicht mehr. Ich habe keine Erinnerung. Was ich jedoch genau sagen kann, dass ich heute äußerst emotional bin und schon einige Tränen geflossen sind. Auch davor hat mich meine Psychologin gewarnt. Vielleicht hat sie es mir auch so sehr eingeredet, dass ich mich heute dazu gezwungen sehe, zu weinen ;-)

Samstag, 23. Juli 2016

Mein Wochenziel: mehr Bewegung

Langsam aber sicher merke ich, wie meine guten Vorsätze und meine Bemühungen auf mich zu achten weniger werden. Deutlich weniger. Ich bemerke das schon etwas länger, ich nehme es auch bewusst wahr, aber ich ändere nicht viel daran. Der Alltag kann doch anstrengender sein als gedacht. Dass ich momentan keinen Sport mache, die Meditation weniger wird und auch das gesunde Essen nicht immer Vorrang hat, belastet mich. Ich weiß nämlich, dass ich auf diese Dinge achten sollte, um gesund zu werden. Ich merke auch, dass mir meine aktuelle Situation nicht gut tut.

Daher möchte ich wieder aktiv an mir arbeiten. Ich möchte, dass ich wieder etwas Struktur und Ruhe in meinen Alltag bringe. Dazu habe ich mir vorgenommen, jede Woche einen kleinen Schritt mehr in die richtige Richtung zu machen.

Mein Bewegungsziel für die nächste Woche:
3 Sporteinheiten und mindestens 3 mal ein Spaziergang an der frischen Luft

Ansonsten geht es mir körperlich wieder recht gut. Die Sorgen und Symptome der letzten Wochen sind verflogen und ich bin wieder etwas beruhigter. Meine nächste große Nachsorge rückt auch immer näher und ich freue mich insofern drauf, als das ich danach die Gewissheit habe, dass alles in Ordnung ist. Aber ein bisschen Bammel hat man wohl trotzdem bei jeder Nachsorge...

Ich wünsche euch nach dem gestrigen tragischen und beunruhigenden Ereignis in München ein möglichst friedliches Wochenende.

Montag, 18. Juli 2016

Das Meer genießen


Ich liebe das Meer. Es hat etwas so beruhigendes an sich. Wenn ich das Meer sehe, dann bin ich glücklich. Und wenn ich darin schwimmen und mich von den Wellen treiben lassen kann, dann bin ich zufrieden.

Am Wochenende war ich mit meinen allerbesten Freunden an der Nordsee. Es war ein so entspanntes und befreiendes Gefühl unter all diesen mir so vertrauten Menschen ein paar Tage Auszeit am Meer zu machen. Ich habe es richtig genossen und wäre gerne noch länger geblieben.

Es gab so viele Momente, die ich in genau diesem Augenblick auch wirklich genossen und bewusst erlebt habe. Ich bin mir noch nicht sicher, ob die Krankheit der Auslöser ist, dass ich vieles bewusster erlebe und genieße oder, ob vielleicht das Erlernen der Achtsamkeit mit Hilfe des Buches "Gesund durch Meditation" dazu beiträgt. Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem und ich kann jedem von euch nur empfehlen, jeden Augenblick bewusst zu genießen und zu erleben. Vor allem die schönen Augenblicke im Leben sind so wertvoll und es ist so wunderbar, wenn ich das auch in genau jenem Augenblick spüren kann.

Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Abend.